Lucky Shoot

Man kann machen was man will, oft sind spontane Fotos einfach die besten. Nicht lange vorbereiten, also schulmäßig ausleuchten, positionieren, vielleicht noch schminken, nein, einfach in der genialen Sekunde auf den Auslöser drücken, in der für einen winzigen Moment alles passt. Glück und Talent müssen da zusammenfinden und dann – Bingo! So ein Foto von mir bekam ich heute geschenkt und bin immer noch ganz geschmeichelt. Ich, so gegen Mittag, frontal in leichter Seitenansicht, bin beim Essen und Telefonieren, ganz gedankenverloren blicke ich in die Ferne. Charismatisch, mit einem leichten Hauch von Lächeln, das mir durchaus gut zu Gesicht steht. Grandioses Foto. Man will dafür 30,- Euro von mir haben, das ist für ein einfaches Schwarz-Weiß-Foto nicht billig, aber gute Sachen haben halt ihren Preis und ich unterstütze damit – unter dem Aktenzeichen 9876/46.167.68, Stichwort „Geschwindigkeitsüberschreitung – von Herzen gerne die klamme und Freie Hansestadt Hamburg. Sie muss wahrlich sehen, wo sie das Geld für ihre schweineteuren Kulturtempel herbekommt.

STIRB LANGSAM 5

Lenny (Bruce Willies), kommt eines schönen Feierabends nach Hause und hat verdammten Hunger. Susan (Kate Nauta), seine Frau, hängt in verbeulten Jogginghosen und vollgekleckertem T-Shirt mit einem Hard-Drink auf dem Sofa und glotzt eine Wrestler-Serie. Lenny fragt ruhig nach, ob es denn irgendwo in diesem verfickten Haus etwas zum Beißen gäbe. Susan antwortet, wenn er was zum Beißen suche, soll er den Hund (Jack Russel) fragen. Lenny will von Susan wissen, warum zur Hölle, sie so eine beschissene Laune habe. Als Susan daraufhin nur säuerlich aufstößt, bleibt Lenny cool und erinnert sie daran, dass sie als Ehefrau eine Versorgungspflicht habe. Susan antwortet nur, darauf scheiße sie. Lenny will nun wirklich genau wissen, warum sie so eine verfickt schlechte Laune habe. Susan faucht, ob er denn wisse, was heute für ein verkackter Tag ist? Lenny meint, wie, zur Hölle, soll er wissen, was heute für ein verkackter Tag sei? Er wisse nur, dass ihn heute sein Boss blöd angepisst habe und er verdammten Hunger habe, mehr wisse er nicht. Daraufhin springt Susan wutentbrannt auf und brüllt, heute sei ihr beschissener Hochzeitstag, den er nun zum fünfundzwanzigsten Mal vergessen habe und reißt dabei eine Porzellanbüste von Donald Trump vom Tisch. Lenny ist außer sich vor Wut, weil er diese verdammte Büste wie blöd geliebt hat und sie nun zertrümmert auf dem Boden liegt. Susan antwortet, diese beschissene Büste ginge ihr genau so am Arsch vorbei, wie ihm ihr Hochzeitstag. Daraufhin zieht Lenny seine 8-Millimeter Walter aus der Hosentasche und droht, Susan zu erschießen, wenn sie nicht auf der Stelle seine verdammt geliebte Büste wieder zusammenkleben würde. Susan meint, da hätte sie noch was Besseres und zieht ihre Magnum aus der Sofaritze. Die Lage ist für einen Moment verdammt angespannt. Als Lenny dann aber sagt, wenn ihr denn dieser verfickte Hochzeitstag so verdammt wichtig sei, dann lade er sie halt zum verkackten Italiener ein, nimmt Susan das Angebot tränenüberströmt an. Beide verlassen Arm in Arm das Haus.

Bewertung: Cooles Finale eines gelungenen Marriage-Action-Films.

Spannung: ***** Anspruch: 0 Humor:** Gefühl: ****

Wesen

Kaum mache ich mal ein Fenster auf, um zu lüften, schon ist eine Fliege in meinem Zimmer. Ich kann sie gut verstehen, draußen ist es kalt, nass und windig, bei mir drinnen ist es warm, trocken und gemütlich. Aber wer bezahlt das alles? Die Heizkosten steigen, Strom wird auch nicht billiger, abgesehen davon, dass sie alles sauber vorfindet. Ich sehe, wie sie es sich auf der Armlehne meines Sofas gemütlich macht und sich putzt. Ich hab nicht meine Brille auf, aber das kann ich noch sehen: sie streckt sich und gähnt. Hätte ich einen Untermieter gewollt, hätte ich das gesagt. Da fällt mir plötzlich ein, dass meine Mutter davon überzeugt war, dass in so einer kleinen Kreatur die Seele eines geliebten Menschen steckt. „Papa? Bist du´s?“, frage ich die Fliege leise und lege ihr ein winziges Stück von meinem Nussriegel auf die Lehne, den mein Vater immer so gerne gegessen hat. Sie stürzt sich drauf. Er ist es!!

Wandel

ALDI begrüßt mich am Eingang mit: „Schön, dass du da bist.“ Der STERN textet auf der ersten Seite: „Danke, dass Sie den STERN lesen.“ Der Baumarkt schreibt: „Ohne dich geht gar nichts.“ Bitte? Was ist denn da draußen los? Von der Arroganz zur Schleimerei? Ist das die Reaktion auf die massiven Marktveränderungen und die neuen, digitalen Anbieter, die den Kunden zum Kaiser erkoren haben? Die liefern uns nämlich inzwischen die Unterwäsche direkt ins Schlafzimmer, begleiten uns per Webcam bei der Anprobe und nehmen alles, was uns nicht passt oder gefällt, anstandslos – ob neu oder gebraucht – zurück. Je nach Wunsch scannen sie unsere Figur ein und machen eine maßgenaue 3D-Animation alternativer Modelle, die exakt unserem Geschmack entsprechen. Ja, geht´s noch besser? Leute, das ist Kundenfreundlichkeit! Davon war man früher in der Dienstleistung Lichtjahre entfernt. Gestern ging ich in Regen und Dunkelheit deprimiert nach Hause, da las ich auf der Werbetafel einer Bushaltestelle die Botschaft eines Nagelstudios: „Schön, dass es dich gibt.“ Ich war danach schlagartig in besserer Stimmung. Danke, neue Zeit.

Anlage

Es ist ruhig im Supermarkt, ich schiebe meinen Einkaufswagen zur Kasse und lege die Waren auf das Laufband. Im flotten Tempo scannt die Kassiererin alles ein und sagt freundlich:„Einunddreißigvierzig.“ Ich hole meine EC-Card heraus, starre auf das Kartengerät und frage doof: „Was muss ich tun?“ Sie antwortet „Ranlegen oder reinstecken, wie Sie wollen.“ Kurze Pause, dann grinst sie und fängt an zu kichern. Die Kollegin an der Kasse gegenüber tut es auch – und ich kann nun ebenfalls nicht anders und pruste los. Bin ich gerade dass Ziel weiblichen Sexismus geworden oder einfach nur zweier phantasiebegabter, humorvoller Frauen, die rollenentspannt über die bildliche Komik des Wortes „anlegen“ lachen können? Ich jedenfalls amüsiere mich bei dieser Vorstellung noch köstlich als ich schon draußen bin. Ist ja genau mein Humor. An der Ausgangstür lese ich: „Schön, dass Sie da waren.“ Finde ich auch.

Spiderman

Ich putze mal meine Bude. Das mache ich gerne leicht bekleidet, weil ich sonst immer so schwitze. Gerade fege ich die Diele, da läuft eine Spinne vorbei. Ganz cool und entspannt tippelt sie in Richtung Wohnzimmer. Ja, geht´s noch? Ich öffne die Wohnungstür und fege sie resolut mit dem Besen raus. Verpiss dich! Sie landet auf dem Fußabtreter, zappelt kurz unmutig und steht dann wieder auf ihren acht Beinen. Ich will ihr gerade den Weg zum Nachbarn weisen, da stürzt sie sich zielstrebig zurück in meine Wohnung. Sie mag mich. Ich sie nicht. Empört mache ich einen Schritt nach vorne, um sie wieder zurückzufegen, da höre ich hinter mir ein trockenes „Klack!“. Nein!? Meine Wohnungstür ist ins Schloss gefallen, der Schlüssel steckt innen und ich stehe nur in Unterhose im Hausflur. Ein ganz schwerer Moment in meinem Leben. Im selben Moment öffnet meine Nachbarin, eine junge Frau, ihre Tür und stößt einen spitzen Schrei aus. Ich presse mich scheu an die Wand. Sie stürzt in ihre Wohnung und kommt mit ihrem Handy wieder heraus. „Fotografieren verboten!“ rufe ich panisch. Zu spät. Auf Instagram hatte das Foto 23.450 Klicks. Ich will da nun eine Outdoor-Serie draus machen.

Die neuen Modelle sind da!

Freunde von mir haben sich jetzt einen Hund angeschafft, er war nicht billig, aber so ein Tier der neuen Zuchtreihe kostet halt. Man kann es in den drei Versionen M, L oder XL kaufen. Die M-Reihe ist eher was für die Stadt, klein und kurzbeinig, leicht zu handeln, kann man gut überall hin mitnehmen, auch mal in eine Tasche stecken. Die L-Reihe ist schon eher was für Tierhalter, die etwas Mittelgroßes lieben, dem sie auch mal kräftig auf den Rücken klopfen können. Die hochbeinige XL-Reihe ist für Sportliche, quasi die SUV-Version mit Alltatzen-Antrieb, für Halter die gerne rausgehen, mal länger in der Natur laufen wollen. Alle Modelle sind extrem pflegeleicht, haaren nicht und sind parasitenresistent. Sie laufen mit kostengünstigem Trockenfutter, ihr Schadstoffausstoß ist sauber, selbstreinigend und auf ein Minimum reduziert. Treue, Folgsamkeit und Kinderliebe ist in allen drei Versionen Standard, für einen Aufpreis erhält man das AGRO-Paket, empfehlenswert für alle, die eher einen Angreifer, einen Hund als Beschützer brauchen. Der Züchter gibt auf alle Modelle fünf Jahre Garantie.

Führerhumor

Ich stehe mit meiner Reisetasche auf dem Bahnhof. Der Regio nach Hamburg, so plärrt es plötzlich aus dem Lautsprecher, hat dreißig Minuten Verspätung, Dann nur noch zwanzig – und plötzlich ist er da. Solche positiven Überraschungen gibt´s also bei der Deutschen Bahn auch. Dennoch bin ich unsicher, ob dieser Zug tatsächlich nach Hamburg fährt. Da ich am Bahnsteig ziemlich weit vorne stehe, frage ich den Zugführer, der gerade aus seinem Seitenfenster den Kopf herausstreckt: „Fahren Sie nach Hamburg?“ „Nee, ich nicht. Der Zug“, ist seine flapsige Antwort. Das ist ein Spruch aus der Mottenkiste, denke ich. Aber hätte ich ihn „Fährt der Zug nach Hamburg?“ gefragt, hätte er garantiert „Nee, er nicht. Ich.“ geantwortet. Gegen solche Komiker hat man keine Chance. Beim nächsten Mal versuche ich´s einfach mal mit: „Na, ihr zwei Hübschen, soll´s nach Hamburg?“

Straßenkampf

Ich fahre mal wieder Fahrrad in Berlin, auf einem Radweg kommen mir drei junge Kerle, nebeneinander in breiter Front, entgegen. Es wird sehr schwer für mich ihnen auszuweichen, Raum dafür ist jedenfalls keiner mehr da. Ein angeborenes Gefühl für Gerechtigkeit sagt mir, dass ihr Verhalten asozial ist. Ich quetsche mich mit meinem Fahrrad an die äußerste Kante des Fahrradweges, nur noch ein Blatt Papier passt zwischen mir und den Fußgängern. Die drei rauschen plaudernd an mir vorbei, einer touchiert mich noch leicht mit dem Ellenbogen. Ich bleibe stehen und rufe ihnen „Hey, hört mal, der Fahrradweg gehört allen!“ hinterher. Sie bleiben stehen und drehen sich um. „Halt doch deine Fresse!“, meint der in der Mitte. Der, der mich touchiert hat, ruft: „Fick dich!“ Der letzte bietet mir an: „Kannst was vor´s Maul haben, Opa!“ Was zu viel ist, ist zu viel. Ich brülle: „Opa? Ich bin kein Opa, ihr Spacken!! Meine Söhne denken gar nicht daran, mich zum Opa zu machen.“ Die drei stoppen, steigen ab und trösten mich. Sie hätten das nicht so gemeint, sagen sie, ich möge ihnen verzeihen. Einer nimmt mich in den Arm, der andere streichelt mir über den Kopf. „Okay, okay“, sage ich und wisch mir eine Träne aus dem Auge, „alles ist gut.“ Sie sind total erleichtert und steigen wieder auf ihre Räder. „Gute Fahrt“, rufe ich ihnen hinterher, „und fickt euch!“ Sie winken noch mal fröhlich.

Gratuliere!

Er öffnet die Tür und starrt mich noch völlig verschlafen an. „Mann, es ist kurz nach acht Uhr, wer bist du denn?“ Ich trete höflich aber energisch in seine Wohnung. „Junge, hier sieht´s ja aus“, sage ich und schiebe mit dem Fuß eine Socke zur Seite. Er gähnt und glotzt mich ungläubig an. „Du bist doch mein Facebookfreund“, sage ich feierlich, „und hast heute Geburtstag, oder ist das falsch?“ Er kratzt sich die Brust und grummelt „Ja, schon, aber….“. „Na, dann, herzlichen Glückwunsch“, jauchze ich und schließe ihn in meine Arme, „ich dachte, komm mal rechtzeitig, da freut er sich.“ „Hä?“, fragt er und kratzt sich seine Bartstoppeln. „Nicht kratzen, waschen“, bemerke ich vergnügt. Er brummt unverständlich. „Hilf Timo, heute seinen Geburtstag zu feiern, das stand heut morgen bei mir auf Facebook, mein lieber Freund. Und hier bin ich!“, rufe ich fröhlich. „Bitte?“, fragt er immer noch leicht verwirrt. Ich zeige auf meine Tasche. „Hab alles dabei“, sage ich, „Girlanden, Kerzen, Nudelsalat und ´ne leckere Nachspeise.“ „Ich wollte doch gar nicht feiern“, stammelt er. „Na, na, nicht so bescheiden“, sage ich und mache mich auf in Richtung Küche, „hab auch ´ne hübsche Tischdecke dabei.“