Einer gegen alle

Autor: Butschkow am 28.02.2020


Gelbe Jacke

Anfang des Jahres sah ich in meinem Lieblingsbekleidungsgeschäft in Husum eine zitronengelbe, wattierte Jacke. „Mal anprobieren?“, fragte mich augenzwinkernd der Verkäufer. „Sie meinen...?“, fragte ich verschämt zurück. „Aber ja!“, antwortete er. „Nicht zu poppig für einen älteren Herren?“, wollte ich verschämt wissen. „Schwarz können Sie noch zu Ihrer Beerdigung tragen, jetzt ist die Zeit für ein Bekenntnis zum Leben. Nur Mut!“ Er hat recht, dachte ich und als er „Farbe liegt hochaktuell im Trend“ sagte, war ich so weit und kaufte die Jacke. Gestern besuche ich meine alte Heimatstadt Berlin, eine willkommene Gelegenheit, mich als Provinzler mit meiner Trendjacke geschmeidig in den modischen Flow der pulsierenden Hauptstadt zu integrieren. Im U-Bahnabteil erwische ich offensichtlich eine Trauergesellschaft, alle tragen Schwarz. In Stadtmitte steige ich aus und - wohin ich auch schaue – ich sehe wieder nur schwarz, gelegentlich auch mal einen dunkelgrau gekleideten Menschen. Mein Gott, wer ist da wohl gestorben, denke ich und beginne mich unwohl zu fühlen. An einer Ampel tippt mich ein Mann an: „Wo wollnsen hin? Kann ick Ihnen helfen?“ Woher weiß der, dass ich von Außerhalb komme? Eine junge Frau fragt mich interessiert, von welcher Demo ich käme. Bitte? Am Checkpoint Charly steuert eine chinesische Touristengruppe auf mich zu, ihre Reiseführerin will von mir wissen: „Bekommen wir bei Ihnen Karten für den Sightseeing-Bus?“ Danach ziehe ich mich in einen Hauseingang zurück und warte bis es dunkel wird. Im Schutze der Nacht mache ich mich dann geduckt zu Fuß auf den Heimweg. Heute morgen stehe ich im Bahnhof Zoo am Kiosk und entdecke mich in meiner Jacke ganz groß auf dem Titelblatt der BZ: „Entarteter schockt die Stadt!“

Fehlversuch

Autor: Butschkow am 21.02.2020


Polizist

Gestern, gerade wollte ich zum Einkaufen fahren, da klingelte bei mir das Telefon. Ein freundlicher Mann war dran, stellte sich mit seinem Dienstgrad vor und wollte von mir wissen, ob ich auch der bin, der ich sei. Ja, der bin ich, bestätigte ich. Er sei froh, dass er mich erreicht habe, sagte er, so könnte er mich noch rechtzeitig vor großem Unglück bewahren. Zur Zeit würde in meiner Gegend eine rumänische Einbrecherbande ihr Unwesen treiben, sie hätte schon diverse Wohnungen geknackt. Nach dem klassischen Muster dieser Kriminellen sei er überzeugt, dass ich das nächste Opfer sei und wollte mich warnen. Ich bedankte mich herzlich für seine Fürsorge und lobte die großartige Arbeit der Polizei, nicht ohne noch nachzutragen, dass das meiner Meinung nach viel zu wenig anerkannt werden würde. Der Mann bedankte sich für meine Empathie und sah es zugleich als seine Pflicht an, mir dringend die nächsten Schritte nahezulegen, um mich vor Verlust und Vandalismus zu schützen. Er riet mir, meine sämtlichen Möbel unten vor mein Haus zu stellen, inkl. wertvoller Teppiche, echter Pelze und sonstiger Antiquitäten, anschließend obendrauf in einer wetterfesten Tasche mein gesamtes Bargeld und alle Wertgegenstände, wie teure Uhren oder Schmuck. Wichtig seien auch meine Kreditkarten, und ich sollte auf keinen Fall die Passwörter vergessen. Bitte sichtbar dazu legen, meinte er. Er würde veranlassen, dass das abgeholt und in Sicherheit verbracht und mir nach dem Abzug der Bande umgehend zurückgegeben werde. Ich machte eine kurze Pause und fragte ihn dann unumwunden, wie lange er schon in diesem Betrugsgeschäft arbeiten würde? Erst war er etwas verwirrt, druckste ein bisschen herum, gab dann aber schließlich zu, dass ich sein erster Fall sei. Ich tröstete ihn und sagte, jeder fängt ja mal an und er solle nicht den Mut verlieren. Er bedankte sich sehr herzlich und wollte zur Optimierung seiner zukünftigen Vorgehensweise noch von mir wissen, woran ich denn gemerkt hätte, dass er mich über den Tisch ziehen wollte? Ich erklärte ihm, dass es in Deutschland den Dienstgrad „Polizeigroßmeister“ nicht gäbe. Er bedankte sich herzlich für diesen Verbesserungsvorschlag und fragte mich, ob er vielleicht später noch mal einen neuen Versuch bei mir machen dürfe? Immer gerne, sagte ich.

BUTSCHKOW – eine zeichnerische Biografie

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Interview mit Kreuzfahrtautorin Brina Steins

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Überleben auf Kreuzfahrt ist nur einer der Buchtitel des Cartoonisten Peter Butschkow. Ich habe ihn bzw. seine Werke auf der Frankfurter Buchmesse 2019 eigentlich durch Zufall entdeckt, als ich die Cartoonisten-Wand vor der Halle 3 entdeckt hatte.
So nahm ich nach der Messe Kontakt zu ihm auf und fragte das Interview an, was Ihr im heutigen Blogbeitrag lesen könnt.

Lesen Sie hier das Interview...