Negativ

Du rollst langsam zum Corona Testzentrum vor und machst die Scheibe herunter. Sie testen dich direkt aus deinem Auto. Eine Frau, komplett vermummt, mit Schutzbrille und Maske, tritt mit einem langen Wattestäbchen an dein Auto heran und sagt: „Bitte strecken Sie mir weit ihre Zunge heraus. Einmal Aaaaaaah machen, bitte.“ Das erinnert dich an deine Kindertage, wenn der Schularzt kam. Du streckst ihr also wie ein dressierter Orka bei der Fütterung deine Zunge entgegen und machst „Aaaaaaaaaah“. Sie schiebt dir das Stäbchen bis an die Grenze zur Magenspiegelung tief in den Schlund und dreht es dabei hin und her. Du magst sie nicht mehr und möchtest dich übergeben. „Und schon vorbei“, flötet sie und zieht das Teil wieder heraus. Du bist noch am Röcheln, da bittet sie dich: „Schön den Kopf gerade halten – ja, so – welches Nasenloch ist denn das Schönere?“ Du warst immer gerecht zu deinen Nasenlöchern, nie hast du eins bevorzugt behandelt oder diskriminiert. „Dann nehmen wir mal dieses“, entscheidet sie eigenmächtig und bohrt sich mit ihrem Wattestäbchen in Richtung deines Stammhirns. Es kribbelt, beißt und brennt schier unerträglich. „Sooo, das war´s schon“, sagt sie endlich, bevor du ihr das Marterstäbchen aus der Hand reißen kannst. Eine Viertelstunde später der Bescheid. Ergebnis: Negativ. Testperson: Zimperlich.

Schwach

Wenn Markus Söder „Mobilität“ sagt, so klingt das wie „Mobbiltät“, die Betonung auf „o“. Im gleichen Atemzug sagt er „Digitalisierung“, auch hier die Betonung auf „Diggi“. Also Mobbidiggi! So kommt zusammen, was zusammen gehört. Mobbidiggi, das neue Mantra aller Politiker, das Zauberwort, der Heilsbringer, der erlösende Schritt in eine glorreiche Zukunft. Die Algorithmen vernetzen die Welt, verbinden und verbrüdern sie, ölen Kommunikationsstränge, durchschlagen endlich die Knoten von Missverständnissen und Informationsmängeln. Wir verstehen uns endlich, nie wieder Krieg! Eine Vision wird wahr. Stören tut dabei eigentlich nur der Mensch, dieses mangelhafte, fragile Etwas, anfällig für Emotionen und Stimmungen, geschrieben von einem metaphysischen Informatiker, der offenbar die Unvollkommenheit als Spannungsfaktor bewusst mit eingebaut hat, damit es uns auf unserer Erde nicht zu langweilig wird. Als Beispiel möchte ich meinen verzweifelten Versuch anführen, meinen Gasanbieter zu wechseln.

Nach vier Anrufen, vier unterschiedlichen Auskünften, vier verschiedenen osteuropäischen Akzenten und zahllosen Fragezeichen, habe ich fast das Tor zum Wahnsinn aufgestoßen und resignierend aufgegeben. Selbst Alexa hatte keine Antwort. Der Mensch ist einfach zu schwach. Mit den vergötterten Algorithmen wird es immer komplizierter und wirrer, statt einfacher. In Sachen Wärmeversorgung kehre ich zurück zum guten alten Lagerfeuer.

Schildbürger

Irgendwann mal hat sich bei uns in Nordfriesland der/die Beauftragte für die Pflege der friesischen Sprache gemeldet und eine Idee gehabt. Wie die es zur kostspieligen Realisation geschafft hat, ist mir schleierhaft. Warum sich der/die Zuständige für die Optimierung öffentlicher Verkehrsschilder unter Berücksichtigung menschlicher Wahrnehmungsfähigkeiten, dazu ein Fachmann des ADAC, zuständig für die Verhinderung optischer Überforderung im wühligen Straßenverkehr, nicht vehement dagegen gewehrt haben, auch das ist mir schleierhaft.

So nun prangen in neuester Zeit an den Verkehrsknotenpunkten in unserer Region riesige, vollgeschriebene, gelbe Verkehrsschilder, auf dem unter jedem Ortsnamen die friesische Bezeichnung steht, z.B.: Niebüll/Naibel, Dagebüll/Doogebel. Schlüttsiel/Slütsil oder Bordelum/Boorlem – und Föhr/Feer, Amrum/Oomram. Verkehrsschilder dienen jetzt der Pflege der friesischen Sprache und deren mobiler Unterrichtung. Es gilt nun für den Autofahrer, in voller Fahrt und neben anderen Ablenkungen wie Schilder, Werbetafeln, wohlgeformter Frauen oder Männer und der Beachtung der ganz normalen Straßenverkehrsteilnehmer und deren Fahrverhalten, im Bruchteil eines Augenblicks zu erfassen und zu verstehen, dass die friesischen Ureinwohner, mächtige, weißhäutige Männer mit ebensolchen Frauen, einst zum Baden nach Slütsil gefahren sind.

Bei dieser vergnüglichen Vorstellung darf ihm aber nicht die Konzentration abhanden kommen. Von dieser außerordentlichen Herausforderung erfährt man in keiner Fahrschule. Ich bin schon lange der Meinung, dass die gepriesenen, digitalen Segnungen unser Leben immer komplizierter und nicht einfacher machen, nun erreicht diese Entwicklung sogar die Verkehrsschilder. Jedenfalls in Nordfriesland/Nordfriiskland.

Extremsportler

Ausgangspunkt und Start des Trails war Hamburg, die gesamte Tour betrug insgesamt 850 Kilometer quer durch Deutschland, mit den unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden. Eine echte Herausforderung für jeden Extremsportler.

Quer durch Felder, Wälder und Höhen verlief die Strecke, gelegentlich mal durch eine menschliche Siedlung, wo man seine Versorgung aufstocken, vor allem frisches Wasser bekommen konnte, was nötig war, um seinen durch Stress und Strapaze gezeichneten Körper die zwingend notwendige Flüssigkeit zuzuführen. Wichtig war, dass man im Zeitfenster blieb und an den jeweiligen Stationen an der Strecke auf die Durchsagen achtete, die oft wegen ausländischer Teilnehmer zweisprachig und oft schwer zu verstehen waren.

Der Veranstalter hatte sich noch andere Schikanen einfallen lassen und Treppenstufen und Tunnel eingebaut, manchmal einfach die Streckenführung oder Zeiten geändert, auch Hindernisse in den Weg gelegt. Auch die Toiletten waren teilweise schikanös verschlossen. Mit seinem Gepäck stieß man echt an seine körperlichen Grenzen und musste sich oft gegen Schmerz und Müdigkeit durchbeißen.

Immer wieder traf man auf andere, erschöpfte Teilnehmer, auch viele ältere, die sich erstaunlicherweise dieser Marter ausgesetzt hatten. Alle einte der Wunsch anzukommen. Weit über meine Idealzeit erreichte ich dann im ICE der Deutschen Bahn von Hamburg nach Regensburg gegen Mitternacht meinen Zielbahnhof. Ich war echt fertig.

Un/zufrieden

Dem Bauern ist es zu trocken, dem Urlauber zu nass, dem Audi-Fahrer zu langsam, dem Geizigen zu teuer, dem Professor zu doof, dem Spießer zu laut, dem Beamten zu viel, dem Pfarrer zu unmoralisch, dem Nackten zu kalt, dem Hypochonder zu krank, dem Kleinen zu hoch und dem Großen zu klein – die Menschen sind permanent unzufrieden. Schaue ich mich um, sehe ich es in den Gesichtern: Unzufriedenheit. Sie macht die Haut blasser, die Falten tiefer und die Münder schmaler. Kurzum, Unzufriedenheit macht hässlich. „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ Allerdings wird sie allenthalben auch geschürt, Politiker benötigen sie für die Wahl, Frauen für ihr Wohlbefinden und die Wirtschaft für den Konsum. Eine Welt voller Zufriedenen wäre wahrscheinlich völlig antriebsarm, wir lägen alle in unseren Hängematten, ließen Wolken und Zeit genüsslich an uns vorbeiziehen und würden dem Leben Dank sagen. Zufrieden mit dem was wir haben, wohlgefällig auf andere blickend. Als gemeinsames Ärgernis schlage ich Flaschenverschlüsse vor, die sich zu schwer aufdrehen lassen. Mehr nicht. Unser Dasein könnte so entspannt sein. P.S. Irgendwie bin ich mit dem Text unzufrieden.

Rezept für alle

Pia weiß auch nicht mehr was da passiert war, sie hatte doch nur das tolle Rezept von der Béchamelsoße über WhatsApp an Franziska weitergeleitet, kurze Zeit später meldete sich plötzlich Gabi aus Berlin, von der sie schon seit einer Ewigkeit nichts mehr gehört hatte, und bedankte sich überschwänglich. Das Rezept wäre genau im richtigen Moment gekommen, sie wollte nämlich abends ein paar Freunde bekochen – toller Tipp, Béchamelsoße – genial. Pia war noch ganz verdattert, da kam schon die nächste Rückmeldung von Thomas aus Kassel. Oh, Mann, wie lange hatte sie von dem nichts mehr gehört. Er liebe Béchamelsoße und bedankte sich für ihre lukullische Inspiration, auch dass sie sich nach so langer Zeit mal wieder gemeldet hatte. „Bei mir ist alles okay, und selbst?“ Pia war perplex. Gerade wollte sie ihm antworten, da kam wieder eine Nachricht rein: „Hey, was für eine super Überraschung – du meldest dich mal wieder? Dachte schon, du hast mich vergessen. Bin gerade mit Freunden auf einer Wanderung in Südtirol. Ich probiere das Rezept sofort aus, wenn ich wieder in Deutschland bin. Love, Kevin.“ Langsam dämmerte es Pia: sie hatte ihre Béchamelsoße versehentlich an alle in ihrer WhatsApp-Community gesendet. Sogar Wolfgang, ihr verhasster Ex, verstand ihre Béchamelsoße als Kontaktversuch. Ihm empfahl sie nachträglich, zur Verfeinerung der Soße eine Prise Blausäure hinzuzugeben.

Vitale Zeiten

Man mag über Corona noch so schlecht reden oder denken wie man will, aber Clara hat sich in der Zeit in eine Katze verliebt, Lukas seine Freude am Kochen entdeckt, Katharina malt abstrakte Acrylbilder, Felix ist jetzt ein begeisterter Schachspieler, Martin hat seine alte Märklin-Eisenbahn wieder aufgebaut, Thomas backt Torten, Jens und Pia haben sich einen Schrebergarten gemietet und Ina und Jonas ihre Sexualität wiederbelebt. Für alle unfassbar, dass Kevin plötzlich mit dem Stricken anfing und Tina und Bastian endlich ihren Dachboden entrümpelt haben. Ich für mein Teil habe meine persönlichen Unterlagen gesichtet, geordnet und übersichtlich abgeheftet. Dabei bin ich auf die Idee gekommen, meine eigene Grabrede zu schreiben. Jeder sollte am Ende nämlich selber bestimmen was am Ende über ihn gesagt wird und nicht ein abgestumpfter Prediger von goodbye.de, der dich vielleicht noch in einem üblen Shitstorm verabschiedet. Wann wäre die Stimmung dafür bestens geeignet als im Coronafieber? Zur Einstimmung hab ich intensiv Zeitungen gelesen und Nachrichten gesehen, um gebührend drauf zu sein. Mich mir tot vorzustellen, fiel mir dann doch schwerer als ich dachte. Letztlich haben mir die sinkenden Inzidenzzahlen dann meine herrlich trübe Stimmung völlig verhagelt.

Autonummer

Ein Auto, mit denen man abseits der asphaltierten Straßen fahren konnte, gab es immer schon, es hieß „Jeep“. Anfangs fuhren die Amis damit an die Front, später kurvte man damit im Urlaub über die Sonneninseln – da hieß er „Wrangler“ oder kleiner „Suzuki“. Und dann erschien er, der SUV, und stürmte weltweit die Verkaufslisten. Hoch, breit, schwer und protzig. Nun waren auch Normalbürger in der Lage, damit Berghänge zu erklimmen, unwegsame Wälder zu erkunden und Furten zu durchqueren. Macht aber keine/r, dafür bringt die junge Mutti damit ihr Kind sicher in den Kindergarten und Männer rollen zur Bierverladung an die Rampe des Getränkemarktes.

Ältere Herrschaften lieben ihn besonders, weil man so bequem einsteigen kann. Am allermeisten lieben ihn die Autohersteller, die gefühlt nur noch SUV´s bauen und damit fette Gewinne einfahren. Was der Kunde mag, baut man. Egal, ob überhaupt noch Platz ist in unseren Städten oder Parkhäusern. Nichts gegen ein Auto, außen so klein, innen so groß wie möglich, komfortabel, sicher, sparsam im Verbrauch, großzügig im Laderaum. Eins, in das man nackenfreundlich einsteigen kann und höher sitzt, um einen besseren Überblick zu haben. Eine tolle Aufgabe für geniale Konstrukteure. Aber nein, die bauen lieber einen SUV-Zombie, der wie eine Outdoor-Walze auf dem Weg zur nächsten Testosteron-Tanke daherkommt. An der Tanksäule putzt dann Oma für Opa die Scheinwerfergalerie, damit er das Großwild besser sehen kann. Da draußen tobt der Wahnsinn. Aber ein Trost: Auf der Arche herrscht SUV-Verbot.

Alb-Tram

München. Ich sitze in der Tram zum Hauptbahnhof. Gerade sind alle eingestiegen, da stürzt im letzten Moment eine Familie heran. Mutter mit Kinderkarre und einem kleinem Mädchen drin, er mit schwerem Rucksack und Tasche. Er ist schon im Wagen, sie halb. Die Tür fängt an, sich zu schließen. Kurze Aufregung, sie schreit leicht panisch „Nein!“, er stellt den Fuß in die Tür, zieht den Kinderwagen rein – sie sind alle drin. Uff! Das war knapp. Der Stress rötet ihre Gesichter. Die Tram rumpelt los, sie sucht Halt, er lässt sich schnaufend auf einen freien Platz fallen. Das kleine Mädchen ist schon ziemlich groß, lappt mit den Beinen weit raus aus der Karre, will aber offenbar noch klein sein und jetzt vor allem raus. „Du steigst jetzt definitiv nicht aus!“, warnt die Mutter. Das versteht die Kleine definitiv als Aufforderung und steigt aus.

„Komm her“, sagt der Vater und nimmt sie zu sich auf den Schoß. So fühlt sich missglückte, erzieherische Einigkeit ein. Der Vater bespaßt seine Tochter, erklärt ihre jedes vorbeiziehende Verkehrszeichen und die Häuserfronten. „Schau mal, ein Nagelstudio.“ „Was is´n ein Nagelstudio?“ „Da lässt man sich die Nägel machen.“ „Warum?“ „Weil sie dann schön aussehen.“ „Ich hab Hunger.“ „Schatz, gibst du mal bitte die Laugenbrezel raus?“ „Ich hab Durst.“ „Schatz, und die Saftflasche, bitte.“ Sie steht indessen instabil zwischen Tür und Sitzen. Mit einer Hand hält sie sich, mit der anderen die Karre fest. Bei jeder Bewegung der Tram wirft es sie hin und her.

Ich kann das nicht mit ansehen, neben mir, auf meiner Bank, direkt ihr gegenüber, ist doch ein Platz frei. Nun tue ich etwas Ungeheuerliches. Keine Ahnung, was mich zu dieser Handlung bewogen hat, welche verkapselten, abgrundtiefen Gelüste sich da in mir Bahn brachen, ich – ein weißhaariger, vollreifer Herr – klopfe stumm mit meiner linken Hand auf den freien Platz und lächle ihr freundlich zu. Will sagen, setzen Sie sich doch zu mir, hier ist doch ein Platz frei, brauchen Sie sich nicht so zu quälen. Ich trage auch FFP-Maske. Ich spüre an ihrem entsetzten Blick sofort, Harvey Weinstein lässt grüßen. Oh, Gott, denke ich. Was hast du getan? Das war schändlich, Junge! An der nächsten Haltestelle steht schon ein Sondereinsatzkommando und verbringt dich zur Kastration. Am nächsten Tag lauter die BILD-Schlagzeile: „Schmutziger alter Witzzeichner belästigt junge Mutter!“ Aber ich komme noch mal davon.

Am Hauptbahnhof steigen wir alle aus und sie verschwinden hektisch im Getümmel. Ich höre noch die Kleine fragen: „Mama, wer war denn der weißhaarige Mann?“ „Das war ein alter Sexist.“

Wo ist Roy?

Wo ist Roy?“, brüllt einer. Woher soll ich wissen wo Roy ist? Ich habe nicht die geringste Ahnung und warum brüllt er so, es ist doch schon alles viel zu laut. Schon wieder: „Wo verdammt, ist Roy?“ Ein Höllenlärm. Geht das nicht wirklich ein bisschen leiser, das will ich gerade fragen, da höre ich eine sich überschlagende Stimme: „Fuck, das war nicht alles, die kommen wieder! Die kommen wieder! Das war nicht alles! Sicher du die rechte Flanke!“ Was soll ich flanken? Was soll ich sichern? Warum ich? „Verdammt, wann kommen die F16? Wenn man die Jungs mal braucht, liegen sie bei Mutti!“ „Wo ist Roy?“ „Siehst du den Schatten auf 43 Grad?“ „Ich sehe dich, Bastard, komm nur, komm.“

Hört mal Leute, immer einer nach dem anderen, was ist das überhaupt für ein aufgeregtes Durcheinander, geht das nicht echt ein bisschen leiser, mein Kopf dröhnt schon. „Auf neun Uhr nähert sich ein Pick-Up! Seht ihr den?“ Ich sehe nix, bin völlig überfordert, das ganze Gebrüll strengt mich wahnsinnig an. Wie bin ich da überhaupt reingekommen? „Hast noch´n Magazin für mich?“ Was willst du? Ich hab jetzt keine Lust, um diese Zeit nach einem Magazin zu suchen, wenn du lesen willst, dann kauf dir eins. Mir ist das alles jetzt zu viel, viel zu viel. „Roy hat´s erwischt! Fuck, Roy hat´s erwischt!“, schreit einer. „Bringt ihn runter, bringt ihn runter!!“, schreit ein anderer. „Was machen wir in diesem verfickten Libanon?“, brüllt jemand.

Mein Kopf hämmert langsam unerträglich. Libanon? Was weiß ich denn? Warum seid ihr nicht nach Mallorca? Diese Hektik, dieses ständige Gebrülle und Gequatsche, das Geratter von irgendwelchen Maschinenpistolen. Ja, bin ich denn auf einem Schießstand? „Scheiße, die zweite Welle, Sie kommen!“ „Herzlich willkommen, ihr Bastarde!“ „Komm ins Bett!“ Hä? Wer spricht? Wohin soll ich kommen? Ins Bett? Hört sich verdammt an wie die Stimme von Stefanie. Was macht denn meine Frau hier in dem Kampfgetümmel? „Wie geht´s Roy?“ brülle ich.

„Hey, hey, sach mal…nicht so laut, ich bin doch nicht taub“, sagt Stefanie – und dann Stille, erlösende Stille. Wie hat sie das gemacht? Oh – sie hat den Fernseher ausgeschaltet? Lieber Gott, ich danke dir. „Du und deine beknackten Actionfilme, jetzt komm ins Bett“ höre ich sie fürsorglich sagen. „Verdammt, ich bin doch echt eingeschlafen“, brabbele ich verstört, kratze mir meinen dröhnenden Kopf und erhebe mich stöhnend vom Sofa. „Erzähl mir was Neues“, sagt sie und geht zurück ins Schlafzimmer. Ich folge ihr benommen. Eine diffuse Sorge um Roy begleitet mich noch bis ins Bett.