Wahre Liebe

Autor: Butschkow am 15.05.2020


Brigitte Bardot

Ich habe die Angewohnheit, mir Bücher zu kaufen und sie dann eingeschweißt und unberührt im Regal schmoren zu lassen. Manchmal über Jahre. Dann, eines Tages – es ist wie Weihnachten – entdecke ich sie, befreie sie von der Schutzfolie und lese sie freudig. So auch mit den Memoiren von Brigitte Bardot. Das Buch stand 22 Jahre bei mir im Bücherregal. Letzte Woche war es so weit. Ich entkleidete Brigitte und widmete mich gespannt ihrer Lebensbeichte. Was für ein Weib. Und dann das: Sie war 22 Jahre alt, schon weltberühmt, und verliebte sich in den Portier des Hotels, in dem sie übernachtete. Er hieß Xavier, war bildschön und der Neffe des Hotelbesitzers. Brigitte wollte ihn. „Meine Hand berührte seinen Oberschenkel, doch das schien keinerlei Wirkung zu haben.“ Mir stehen beim Lesen die Haare zu Berge. Xavier! Die verführerischste Frau der Welt patscht dich an und du? Bist du schwul? Nein, war er nicht, schreibt Brigitte. Sie lädt ihn zum Abendessen ein und anschließend in ihr Schlafzimmer. Mir wird ganz heiß. Xavier! Junge! Ein Traum! Millionen Männer platzen vor Neid. „Nun, er erzählte mir mit tränenerstickter Stimme, dass seine Oma tags zuvor gestorben sei. Ich landete also mit einem großen Jungen von dreiundzwanzig Jahren im Bett, der den Tod seiner Großmutter beweinte! Ich verbrachte die Nacht damit, ihn zu trösten.“ Irgendwann morgens ging er dann, unberührt und mit dicken Augen. Nachdem ich wieder meine Fassung erlangt habe, nun meine Frage an die Großmütter dieser Welt: Was ist die begehrenswerteste Traumfrau gegen die Liebe zu einer Oma? Nichts. Ich verneige mich.

Versaut

Autor: Butschkow am 08.05.2020


Versaut

22:15 Uhr, ZDF, „Montagskino“. Auf dem Sendeplatz hatte die alte Mainzer Dame mal durchaus interessante Filme gezeigt, inzwischen ist auch er zum Tummelplatz für US-Blockbuster verkümmert. Aber was sehe ich da? Heute Abend: „Ein leichtes Mädchen“, französische Produktion. Voila! Den zieh ich mir rein. Ich liebe das französische Kino. Ich sehe zwei junge Mädchen, Naima und Sofia, beide wohnen in Cannes und schlendern abends an der Promenade an den funkelnden Luxusyachten vorbei. Sie werden von einem Bootseigner angesprochen und eingeladen, an Bord zu kommen. Meine Erwartungshaltung nimmt Fahrt auf. Man trinkt und plaudert und es wird Nacht. Spätestens als Naima mit einem Typen ins Schlafzimmer geht, rechne ich damit, dass sie gewürgt und gequält wird und am nächsten Morgen aufgeschlitzt im Meer schwimmt. Aber sie sitzt quietschvergnügt am Frühstückstisch. Meine Hoffnung, dass wenigstens Sofia vergewaltigt, zumindest als Geisel genommen wird, erfüllt sich auch nicht. Sie geht einfach unberührt zu ihrem Freund nach Hause. Ich sehe eine letzte Chance: Der Yachtbesitzer und seine Crew laden die Mädchen am nächsten Abend zum Essen ein. Endlich! Gangbang mit anschließendem Gemetzel. Hä? Man unterhält sich? Wenigstens über satanische Gelüste, eheliche Gewalt, priesterlichen Missbrauch? Nichts. Man philosophiert, flirtet, lacht, trinkt und schaut melancholisch auf den Mond über dem Meer. Am Ende des Films fällt Sofia in die Arme ihres Freundes und Naima geht nach London. Es ist kein Tropfen Blut geflossen. Nicht einer! Also diese herrlichen Franzosen, drehen einfach einen leisen Film über zwei junge Frauen. Unglaublich. Verdammt, ich habe in letzter Zeit einfach zu viel Netflix gesehen.

BUTSCHKOW – eine zeichnerische Biografie

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Ich habs getan! Gegraben, gesucht, gefunden – und in 160 farbigen Seiten liebevoll und hart gebunden:
BUTSCHKOW – eine zeichnerische Biografie
Butschkow-Cartoons von 1962 – 2019. Inkl. einer kurzweiligen Schilderung meiner Karriere vom ersten Strich bis zum aktuellen Punkt. In limitierter Auflage gedruckt, für alle Fans und Freunde, die viel Spaß daran haben werden. Wie ich.
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Interview mit Kreuzfahrtautorin Brina Steins

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Überleben auf Kreuzfahrt ist nur einer der Buchtitel des Cartoonisten Peter Butschkow. Ich habe ihn bzw. seine Werke auf der Frankfurter Buchmesse 2019 eigentlich durch Zufall entdeckt, als ich die Cartoonisten-Wand vor der Halle 3 entdeckt hatte.
So nahm ich nach der Messe Kontakt zu ihm auf und fragte das Interview an, was Ihr im heutigen Blogbeitrag lesen könnt.

Lesen Sie hier das Interview...