Körpersprache

Autor: Butschkow am 10.10.2019


Körpersprache

Unser Körper ist das Haus in dem wir wohnen – und das mietfrei, geerbt von der Natur. Seinen Unterhalt erbringen wir in Form von Nährstoffen, Freude schenken wir ihm durch Bewegung. Alles könnte so wunderbar klappen, wenn da nicht dieses Leben wäre. Die beiden sind wie Eheleute, mal kommen sie gut miteinander aus, mal überhaupt nicht. Gern nimmt der Körper dem Leben übel. Wir, die wir von diesen beiden abhängig sind, vermitteln das unserer Umwelt dann über unsere Innereien, z.B. „Das geht mir auf den Magen“, „Das geht mir an die Nieren“ oder „Mir kommt die Galle hoch“. Derbe Männer sagen auch gerne: „Du gehst mir auf den Sack.“ Das haben sie exklusiv. Frauen bevorzugen hingegen „Mir brummt der Schädel“ oder „Geh mir nicht auf die Nerven!“ Auch unser Bewegungsapparat kommt nicht zu kurz. „Ich kann das nicht mehr schultern“ oder „Da sitzt mir was im Nacken“ signalisiert eindeutig Unzufriedenheit. Mal frei von der Leber gesprochen: Mit dem vulgären „Fick dich ins Knie“ oder „Leck mich am Arsch“ diskreditiert man eindeutig zwei völlig unschuldige Körperteile.

Aussterbende Art

Autor: Butschkow am 05.10.2019


Buchhandlung

Bad König. Nach meinem Navi sind wir mitten in diesem Ort und müssten gleich da sein. „Ihr Ziel befindet sich auf der rechten Seite.“ Noch eine Ampel und ein Stück Dorfstraße – jetzt sollten wir sie sehen. Zu ebener Erde, geduckt unter zwei großen Markisen, liegt sie tatsächlich auf der rechten Straßenseite. Ganz vorsichtig nähern wir uns und parken im diskreten Abstand. Jetzt nur keinen Fehler machen, sonst verschwindet sie plötzlich, entpuppt sich womöglich als Hirngespinst, als Fata Morgana. Lisa flüstert: „Stell den Motor ab.“ Wir steigen aus und tasten uns langsam an der Hauswand entlang heran. Die Abenddämmerung kommt uns zugute. Im Schutz einer Hauseinfahrt verweilen wir noch kurz, lauschen unseren hämmernden Herzen und schieben uns mutig vor. „Wahnsinn“, haucht Lisa. „Eine...eine... Buchhandlung“, stöhne ich überwältigt. Geduckt schauen wir ins Schaufenster und sehen – Bücher! Kleine, große, dicke, dünne, bunte, einfarbige Bücher, überall Bücher! Sie stehen oder liegen verlockend ausgebreitet nebeneinander, ihr Duft dringt sogar bis zu uns nach draußen. Ich hab ganz weiche Beine, Lisa atmet schwer. Wir bewegen uns zur Tür – da bemerken wir im Laden eine Bewegung und bleiben wie erstarrt stehen. Im Licht einer Deckenlampe stehen zwei Wesen aufrecht hinter einem Bücherständer, offenbar ein Weibchen und ein Männchen. Zum Glück steht der Wind günstig für uns, sie können uns nicht wittern. Wann hat man schon mal die Chance, der aussterbenden Spezies der Buchhändlergattung so nah zu sehen. „Komm, jetzt oder nie“, raune ich Lisa zu. Ich drücke ganz behutsam die Türklinke runter - da ertönt eine Eingangsglocke. Auf der Stelle sind die beiden scheuen Wesen in ihrem Bücherwald verschwunden. Ich könnte mich ohrfeigen. Alles vergebens. Am nächsten Tag reden wir mit dem Bürgermeister. Die Literaturhandlung Paperback in Bad König stünde unter Denkmalsschutz und das Buchhändlerpaar unter Artenschutz, erzählt er uns. Wir verlassen Bad König, sind aber zugleich auch stolz, ein leibhaftiges, prächtiges Buchhändlerpaar im heimischen Revier wenigstens mit eigenen Augen gesehen zu haben. Ein unvergesslicher Anblick. Am Ortsausgang hat ein Kurierfahrer auf der Straße Dutzende Amazon-Pakete verloren. Ich fahre ungerührt drüber.

BUTSCHKOW – eine zeichnerische Biografie

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Ich habs getan! Gegraben, gesucht, gefunden – und in 160 farbigen Seiten liebevoll und hart gebunden:
BUTSCHKOW – eine zeichnerische Biografie
Butschkow-Cartoons von 1962 – 2019. Inkl. einer kurzweiligen Schilderung meiner Karriere vom ersten Strich bis zum aktuellen Punkt. In limitierter Auflage gedruckt, für alle Fans und Freunde, die viel Spaß daran haben werden. Wie ich.
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Interview mit Kreuzfahrtautorin Brina Steins

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Überleben auf Kreuzfahrt ist nur einer der Buchtitel des Cartoonisten Peter Butschkow. Ich habe ihn bzw. seine Werke auf der Frankfurter Buchmesse 2019 eigentlich durch Zufall entdeckt, als ich die Cartoonisten-Wand vor der Halle 3 entdeckt hatte.
So nahm ich nach der Messe Kontakt zu ihm auf und fragte das Interview an, was Ihr im heutigen Blogbeitrag lesen könnt.

Lesen Sie hier das Interview...