Musenmord

Autor: Butschkow am 31.01.2020


Muse

So sehr man sich als Kreativer in die Riege der Millionen von fleißigen und oftmals auch einfallsreich arbeitenden Menschen, unspektakulär und voller Anerkennung einreihen möchte, unterliegt die Arbeit eines Cartoonisten, der täglich vor einem weißen Blatt Papier, also vor dem Nichts sitzt, einem wesentlichen Unterschied: Die Suche nach einer möglichst außergewöhnlichen IDEE. Hinter diesen lächerlichen vier Buchstaben steckt die Entwicklung unserer gesamten Menschheit. Was hätte ich dafür geben, diesem Augenblick beigewohnt zu haben, wo ein Neandertaler auf die Idee kam, mit einem wie wild geriebenen Hölzchen und trockenem Stroh eine Flamme zu entfachen. Wie kam er bloß darauf? Wahrscheinlich haben sie ihn für diesen Spuk erst mal gesteinigt, nach dem ersten gegrillten T-Bone-Steak dann sicher posthum verehrt. Ideen allerdings sind hochneurotisch, will man ihnen Befehle erteilen, kommen sie gar nicht. So also wartet der Kreative täglich angespannt auf ihre Gunst und spürt an geheimnisvollen, inneren Schwingungen, wenn sie ihm gewogen sind. Diese wohlwollenden Signale gehören wohl zu den kostbarsten, die so ein Mensch empfangen kann. Es ist jedoch die Tragödie des Kreativen, dass sein Umfeld sich um diese Empfindsamkeiten einen Dreck schert. Punktgenau in diesen Zauber hört man dann: „Wir müssen in einer Stunde bei Oma sein!“ oder „Der Hund muss raus!“. Als brutalen Mord an der hochsensiblen Muse habe ich bis heute immer die tägliche Post empfunden. Eine einzige Heizkostenabrechnung oder eine Zahlungsaufforderung vom Finanzamt – diese Störfelder killen alles. Danach geht gar nichts mehr. Wo eben noch Leichtigkeit und strahlender Einfallsreichtum, herrscht dann dumpfe Leere: Realität frisst Träume. Längst bin ich darauf eingestellt und verweigere mich zeitlebens der täglichen Post. Alle Vierteljahre mache ich mich dann an den Haufen. Igor und Wladimir vom Inkassobüro sind inzwischen echte Freunde geworden. Igor hat mir letztens sogar beim Kolorieren einer Zeichnung geholfen.

Werbeterror

Autor: Butschkow am 24.01.2020


Werbeterror

Der Film fängt klasse an. Tolle Schauspieler, super Thema, feine Inszenierung, flirrende Spannung baut sich auf. Ich tauche voll in ihn ab. Großes Kino. Gerade tritt Florence dicht an Pierre heran, ihre Lippen berühren fast die seinen. „Hey“, flüstert er. Die Stimmung geht mir durch den ganzen Körper, ich zittere leicht. „Ich muss dir was sagen“, haucht Florence. Auch ich bin aufgeregt, fiebere ihrem nächsten Satz entgegen – plötzlich eine zitronenblonde SUV-Mutti im Bild. Sie säuselt: „Endlich fühle ich mich wieder unbeschwert, wieder mitten im Leben.“ Was? Wer bist du denn? Wo ist Florence? Wo ist Pierre? Die Blonde hebt eine Packung in die Kamera: „Bei Verstopfung und Magenbeschwerden, Kotison Forte!“ Ich fasse es nicht, sehe ihren Darmausgang vor mir und spüre in mir Übelkeit aufsteigen. Der Stimmungsabriss macht mich fertig. Hallo? Ich will verdammt noch mal wissen, was Florence sagen will!!! Was soll dieser Werbescheiß? Warum sägt ihr mir mit einem bescheuerten Abführmittel voll in meinen Liebesfilm? Wer ist verantwortlich für diese brutale Platzierung? Ich will ihn sprechen, sofort! Am liebsten in seinem Schlafzimmer, wenn er gerade mitten im Paarungsakt ist. Ich werde ihm einen WC-Reiniger vor die Nase halten und ihm „Die Superkraft mit Lavendel-Duft! Gegen Kalk und Schmutz in Bad und WC!“ ins Ohr blasen. Tolle Vorstellung. Vielleicht gibt´s so was auch bald mal gegen Werbespotbakterien?“ Einen Filmreiniger! Wie schön wäre das denn?

BUTSCHKOW – eine zeichnerische Biografie

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Ich habs getan! Gegraben, gesucht, gefunden – und in 160 farbigen Seiten liebevoll und hart gebunden:
BUTSCHKOW – eine zeichnerische Biografie
Butschkow-Cartoons von 1962 – 2019. Inkl. einer kurzweiligen Schilderung meiner Karriere vom ersten Strich bis zum aktuellen Punkt. In limitierter Auflage gedruckt, für alle Fans und Freunde, die viel Spaß daran haben werden. Wie ich.
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Interview mit Kreuzfahrtautorin Brina Steins

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Überleben auf Kreuzfahrt ist nur einer der Buchtitel des Cartoonisten Peter Butschkow. Ich habe ihn bzw. seine Werke auf der Frankfurter Buchmesse 2019 eigentlich durch Zufall entdeckt, als ich die Cartoonisten-Wand vor der Halle 3 entdeckt hatte.
So nahm ich nach der Messe Kontakt zu ihm auf und fragte das Interview an, was Ihr im heutigen Blogbeitrag lesen könnt.

Lesen Sie hier das Interview...