Musenmord

Autor: Butschkow am 31.01.2020


Muse

So sehr man sich als Kreativer in die Riege der Millionen von fleißigen und oftmals auch einfallsreich arbeitenden Menschen, unspektakulär und voller Anerkennung einreihen möchte, unterliegt die Arbeit eines Cartoonisten, der täglich vor einem weißen Blatt Papier, also vor dem Nichts sitzt, einem wesentlichen Unterschied: Die Suche nach einer möglichst außergewöhnlichen IDEE. Hinter diesen lächerlichen vier Buchstaben steckt die Entwicklung unserer gesamten Menschheit. Was hätte ich dafür geben, diesem Augenblick beigewohnt zu haben, wo ein Neandertaler auf die Idee kam, mit einem wie wild geriebenen Hölzchen und trockenem Stroh eine Flamme zu entfachen. Wie kam er bloß darauf? Wahrscheinlich haben sie ihn für diesen Spuk erst mal gesteinigt, nach dem ersten gegrillten T-Bone-Steak dann sicher posthum verehrt. Ideen allerdings sind hochneurotisch, will man ihnen Befehle erteilen, kommen sie gar nicht. So also wartet der Kreative täglich angespannt auf ihre Gunst und spürt an geheimnisvollen, inneren Schwingungen, wenn sie ihm gewogen sind. Diese wohlwollenden Signale gehören wohl zu den kostbarsten, die so ein Mensch empfangen kann. Es ist jedoch die Tragödie des Kreativen, dass sein Umfeld sich um diese Empfindsamkeiten einen Dreck schert. Punktgenau in diesen Zauber hört man dann: „Wir müssen in einer Stunde bei Oma sein!“ oder „Der Hund muss raus!“. Als brutalen Mord an der hochsensiblen Muse habe ich bis heute immer die tägliche Post empfunden. Eine einzige Heizkostenabrechnung oder eine Zahlungsaufforderung vom Finanzamt – diese Störfelder killen alles. Danach geht gar nichts mehr. Wo eben noch Leichtigkeit und strahlender Einfallsreichtum, herrscht dann dumpfe Leere: Realität frisst Träume. Längst bin ich darauf eingestellt und verweigere mich zeitlebens der täglichen Post. Alle Vierteljahre mache ich mich dann an den Haufen. Igor und Wladimir vom Inkassobüro sind inzwischen echte Freunde geworden. Igor hat mir letztens sogar beim Kolorieren einer Zeichnung geholfen.

BUTSCHKOW – eine zeichnerische Biografie

Buch | 62436989_2145476752242276_8.jpg

Ich habs getan! Gegraben, gesucht, gefunden – und in 160 farbigen Seiten liebevoll und hart gebunden:
BUTSCHKOW – eine zeichnerische Biografie
Butschkow-Cartoons von 1962 – 2019. Inkl. einer kurzweiligen Schilderung meiner Karriere vom ersten Strich bis zum aktuellen Punkt. In limitierter Auflage gedruckt, für alle Fans und Freunde, die viel Spaß daran haben werden. Wie ich.
Das Video bei Facebook

Zu beziehen im Buchhandel oder über Amazon




Interview mit Kreuzfahrtautorin Brina Steins

Kreuzfahrt | ueberleben_2.jpg



Überleben auf Kreuzfahrt ist nur einer der Buchtitel des Cartoonisten Peter Butschkow. Ich habe ihn bzw. seine Werke auf der Frankfurter Buchmesse 2019 eigentlich durch Zufall entdeckt, als ich die Cartoonisten-Wand vor der Halle 3 entdeckt hatte.
So nahm ich nach der Messe Kontakt zu ihm auf und fragte das Interview an, was Ihr im heutigen Blogbeitrag lesen könnt.

Lesen Sie hier das Interview...