Und gut is.

Autor: Butschkow am 02.08.2019


Und gut is

Wir Menschen denken in Kategorien: Schwarz oder weiß, rund oder eckig, sympathisch oder unsympathisch. Das macht das Leben umso viel einfacher. Das Dazwischen macht es nämlich kompliziert und so etwas mögen wir gar nicht so gerne. Immer wieder erwischen wir uns dabei, dass dieses Lebensbetrachtungsmuster nicht verlässlich funktioniert. Die große Dicke hinter der Kasse im Restaurant der Autobahnraststätte fand ich mit ihrer albernen Kochmütze insgesamt irgendwie unsympathisch. Ich legte ihr mein Mandelhörnchen und die Tüten mit den Pfefferminzbonbons auf das Laufband und holte mein Portemonnaie aus der Tasche. „So – das sind dann vier Tütchen Pfefferminzbonbons“, zählte sie durch. „Hä? Eigentlich wollte ich nur drei. Da hab ich mich wohl vergriffen“, bemerkte ich verwundert. Sie lächelte verschmitzt und sagte: „Ach, die schnuckelt man doch so weg.“ Hinter ihr ging die Sonne auf und tauchte sie in warmes Gold. Ich spürte den Wunsch, ihr rundes, rosiges Gesicht in meine beiden Hände zu nehmen und ihr einen riesigen Schmatzer auf die wonnigen Bäckchen zu setzen. Ein Wort, eine Wendung. Ach, wenn das in der Politik doch nur auch so funktionieren könnte: „Wir haben zu viel Flüchtlinge!“ „Ach, die schnuckeln wir doch so weg.“ Und gut is.

Bierselig

Autor: Butschkow am 26.07.2019


Vor vierzig Jahren war ich das letzte Mal im Sterntaler. Ich erinnere mich noch an den saufseligen Abschiedsabend. Ein alter Kumpel, ehemaliger Architekturstudent, hatte die Kneipe übernommen. Bei ihm wusste ich dieses gastronomische Juwel in besten Händen, sonst hätte ich Berlin auch nicht verlassen. Und nun stehe ich erinnerungstrunken am frühen Abend im Sommer 2019 vor dieser Eckkneipe in Steglitz, bei der im Laufe der langen Jahren der Efeu die Fassade fast komplett überwuchert hat. Ich öffne gespannt die Eingangstür und wittere sofort wieder die altbekannte Melange aus Bier und Zigaretten. Früher spürte ich auch noch Sex. Also das klassische Threesome des Rock´n Rolls. Ich sehe die Geister meiner alten Freunde, wie sie pokern, flippern oder Poolbillard spielen und immer ein frisches Bier und eine Kippe in der Hand halten. Ja, die hintere Hälfte des Ladens gehört hier in gastronomischer Treue immer noch den verrufenen Rauchern. Mir scheint, nichts, absolut nichts hat sich in diesen Räumen seit vierzig Jahren verändert; ich steige aus einer Zeitmaschine. Hinter dem Tresen steht ein freundlicher, leicht gebeugter älterer Herr mit dicker Brille und grauem Haar. Er ähnelt verdammt Hanne, dem alten Kumpel und Wirt von damals. Kurz bevor ich ihn fragen will, ob ich mal seinen Sohn sprechen kann, stelle ich fest: Es ist Hanne! Wir starren uns lange an. Dann fragt er: „Peter?“ Ja, ich bin es. Auch er hat offenbar den Eindruck, ich sei vierzig Jahre älter geworden. Nun gut, die langen, schwarzgelockten Haare sind einem silbernen Kurzhaarschnitt gewichen, aber ansonsten habe ich mich eigentlich kaum verändert, finde ich in befangener Selbstwahrnehmung. Hanne in seinem ruhigen, freundlichen Wesen aber auch nicht. Und sein gedrechseltes, verkramtes Buffet mit der alten aufgetürmten Hi-Fi-Anlage und den verstaubten Musikkassetten auch nicht. Sogar die Lautsprecheranlage ist von damals und spielt noch genau den gleichen, zeitlosen Blues in unverändert brillanter Qualität - und das ziemlich laut, wie mir scheint. Nachdem Hanne mich drei Mal „Pils?“ fragt, weiß ich warum. In mir genieße ich irre Gefühle. Die ganze Kneipe ist ab 1980 erstarrt. Der Wahnsinn. Nach jedem dritten Bier zapft Hanne eins für sich, geht damit ruhig nach nebenan in die Raucherzone und dreht sich eine. Ich bin stolz auf Hanne. Er zieht´s voll durch. Auf einer Schiefertafel an der Wand steht „Gulaschsuppe“. „Leider aus“, sagt Hanne. Und darunter, die „Thaisuppe“? „Auch aus.“ „Aber die Bouletten gibt´s doch noch?“, will ich wissen. Macht er schon seit Jahren nicht mehr. Lohnt sich nicht. Ich habe verstanden: Die Schiefertafel gehört zum Gesamtkunstwerk dieser Kneipe. Mein Großneffe, der mit dabei war, hat am nächsten Tag in seiner Firma vom Besuch in dieser Kneipe erzählt. Sie konnten es kaum glauben und wollen alle unbedingt diesen Hammerladen sehen und diesen gastronomischen Helden aus einer längst versunkenen Zeit kennenlernen. Nehmt euch belegte Brote mit, Jungs.

BUTSCHKOW – eine zeichnerische Biografie

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Ich habs getan! Gegraben, gesucht, gefunden – und in 160 farbigen Seiten liebevoll und hart gebunden:
BUTSCHKOW – eine zeichnerische Biografie
Butschkow-Cartoons von 1962 – 2019. Inkl. einer kurzweiligen Schilderung meiner Karriere vom ersten Strich bis zum aktuellen Punkt. In limitierter Auflage gedruckt, für alle Fans und Freunde, die viel Spaß daran haben werden. Wie ich.
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Kaum zu glauben, aber bald ist 2020.

Kluge Menschen leben im Jetzt – und planen langfristig.
Für alle: Ab Juni rollt die neue Butschkow-Kalenderwelle,
hier an dieser Stelle!



Überleben im Garten von Peter Butschkow ist da!

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Pünktlich zum Frühlingsbeginn gibt es eine lustige Überlebenshilfe für alle Gründäumler!


Im Frühling ein Blütenmeer, im Sommer ein zweites Wohnzimmer – leider auch bei den Nachbarn – im Herbst ein Freiluft-Fitness-Center und im Winter außer Dienst.


Wie Sie und Ihre Pflanzen das ganze Jahr am besten Überleben, das zeigt Peter Butschkow mit seinen erdverbundenen, humorvollen Texten, einem Strauß bunter Cartoons, blumigen Gedichten und knackigen Rätseln.


Peter Butschkow ist ein echtes Berliner Urgewächs mit Sehnsucht nach ländlichem Sauerstoff. Im Jahr 1944 wurde er in Berlin gezüchtet und aufgezogen. Mittlerweile wohnt der Cartoonist und Autor im Norden Deutschlands, in einem Haus mit Garten und Nachbarn. Er versorgt seinen Rhododendron und seine Leser regelmäßig mit Wasser und gutem Humor.