Ein Euro

Autor: Butschkow am 08.03.2019


Schloss

Der Laden fiel mir auf, weil überall mit weißer Schrift auf knallroten Bannern „Alles ein Euro!“ stand. Hä? Alles nur ein Euro? Das machte mich neugierig. Drinnen lief reichlich Kundschaft durch die Gänge mit den rappelvollen Regalen. Ja, wer will denn nicht alles nur für einen Euro? Sogar ein komplettes Welfenschloss in Niedersachsen ist für einen Euro verkauft worden. Der Trend geht ganz klar zum festen Basisbetrag, die Diskussionen um einen einheitlichen Steuersatz und zur Grundrente zeigen das deutlich. In diesem Laden also ist er längst Realität. Ich warf mich voll rein, stöberte erst im Erdgeschoss und legte mir eine Klobürste in den Einkaufswagen, dann ging ich in den ersten Stock und schlug richtig zu. Am Ende schob ich neben der Klobürste noch einen Kühlschrank, ein Mountainbike und einen Fernseher zur Kasse. Die Rechnung insgesamt für alles: 4,- Euro! Wegen der Größe meines Autos konnte ich die Couchgarnitur leider nicht mitnehmen. Der Kühlschrank brach zu Hause unter der Last einer großen Salatgurke in sich zusammen, das Mountainbike verlor sofort beide Räder und der Fernseher explodierte nach dem ersten Einschalten. Nur die Klobürste ist noch okay. Bin gespannt was passiert, wenn ich sie das erste Mal benutze.

Fünfzig Prozent

Schuh

„In dieser Woche sind viele Modelle heruntergesetzt“, sagt die junge Schuhverkäuferin zu mir. Sie greift einen Schuh aus dem Regal: „Der hier z.B., absolutes Markenprodukt.“ Er gefällt mir, ich probiere ihn an. „Sie müssen sich drin wohlfühlen“, sagt sie. „Das hängt vom Preis ab“, antworte ich grinsend. Sie, vergnügt:

„Auf diesen Schuh gibt es 50% Rabatt!“ „Stark“, sage ich, „was hat er denn vorher gekostet?“ „180.- Euro“, sagt sie, „das heißt, für Sie....heißt das...Sie bekommen ihn 50% billiger, also für nur noch...also 50%...“ Ich strahle sie erwartungsvoll an. Sie kratzt sich die Nase und murmelt: „Also 180.- Euro hat er gekostet, jetzt dann nur noch...für Sie...ähm...“ Hoppla, was ist denn da los, denke ich, bei Facebook können die doch alle prima teilen. Sie schaut an die Decke: „70.- Euro...nein, Quatsch, also jetzt Moment mal...echt, ich bin heut viel zu früh aufgestanden...

also...das macht für Sie nur noch...“ Sie schwitzt leicht. „Nur noch?“, setze ich nach. „50%!“, stößt sie aus. „Wunderbar. Und das wäre?“, frage ich. Nein, ich will sie nicht quälen, sie erledigt ihren Job kompetent und freundlich – aber sie wird doch wohl 50% von 180 herausbekommen? Mir fallen die vielen Kommentare von Leuten ein: „Die können doch heute alle nicht mehr rechnen.“ Ich will es nicht glauben. „Dann zahlen Sie nur noch...also...das sind dann...“ Sie kämpft immer noch. Erbarmen. „90,- Euro?“, sage ich augenzwinkernd. Sie stöhnt erleichtert. „Oh my god! 90,- Euro, ganz klar, 90,- Euro!“ Ich sage: „Cooler Rabatt, aber nein, der ist mir im Spann leider zu eng.“ Sie seufzt. „Als Rechenaufgabe hat er doch aber gepasst?“, tröste ich sie.

Kaum zu glauben, aber bald ist 2020.

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Die Plage mit der Suche nach einer Geburtstagsidee hat ein Ende!

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